
Website Landratsamt Forchheim
Traditionelle Mittelwaldnutzung am Walberla
11.02.2016
(Quelle: Naturschutz)
Aktuell werden nochmals die Motorsägen im Gemeindewald Kirchehrenbach am Walberla angeworfen. Bereits im letzten Jahr hatte ein vermeintlicher „Kahlschlag“ auf der Kirchehrenbacher Seite des Walberla für Aufsehen und Nachfragen besorgter Bürger im Landratsamt gesorgt.
Vor diesem Hintergrund weisen der Landschaftspflegeverband Forchheim e.V. und die untere Naturschutzbehörde darauf hin, dass die derzeit durchgeführten Arbeiten der ordnungsgemäßen Mittelwaldpflege dienen und auch aus naturschutzfachlicher Sicht sinnvoll sind.
Am Walberla ist inzwischen auch eine Informationstafel angebracht, die eingehend über die Traditionelle Mittelwaldnutzung informiert. Hierbei handelt es sich um eine alte forstliche Nutzungsform, für die die Kirchehrenbacher auch staatliche Fördermittel erhalten. Die Maßnahmenflächen für die Mittelwaldnutzung liegen heuer nicht ganz so exponiert wie im letzten Jahr, wo direkt benachbart zum Hauptweg von Kirchehrenbach auf die Hochfläche des Walberla die Bäume auf Stock gesetzt wurden. auch in diesem Bereich werden allerdings noch einige Bäume entnommen, um das typische, offene Landschaftsbild des Walberla langfristig zu erhalten.
Diese Form der Waldbewirtschaftung im Gemeindewald Kirchehrenbach hat eine alte Tradition. Jedes Jahr wird vom gemeindlichen Waldausschuss zusammen mit der zuständigen Forstrevierleiterin Frau Sommersacher ein Teil des Gemeindewaldes ausgewählt und zur Nutzung freigegeben. Im Vorfeld wird eine bestimmte Anzahl gleich großer Parzellen, die sogenannten Gerten, markiert und nummeriert und dann in der Rechtlerversammlung verlost. Das Recht auf die Holznutzung im Gemeindewald haben nur die Hauseigentümer des alten Kerns von Kirchehrenbach, insgesamt 127 Parteien. Mit einem Hausverkauf geht das Recht auf die neuen Eigentümer über.
Im Gegensatz zum Hochwald werden bei der Mittel- und Niederwaldnutzung die Gehölze nur „auf Stock“ gesetzt. Der Großteil der Bäume, vor allem Linden, Haseln und Hainbuchen verkraften den Rückschnitt ohne weiteres und treiben einfach wieder aus. Über die vielen Jahre der Nutzung können sehr große Baumstöcke – sozusagen Stümpfe, aus denen der Baum immer wieder neu austreibt – entstehen.
Im Mittelwald werden einzelne schön gewachsene Bäume, sogenannte „Lassreitel“ oder Überhälter, stehen gelassen, die später als Bauholz genutzt werden können. Im Niederwald wird der gesamte Bestand auf Stock gesetzt.
Früher war die Nieder- und Mittelwaldnutzung in der gesamten Fränkischen Schweiz weit verbreitet. Da der Wald im Turnus etwa alle 10-30 Jahre – in Kirchehrenbach etwa alle 25 Jahre – wieder auf Stock gesetzt wurde, wuchs er nicht sehr hoch. Die markanten Felsen waren hierdurch weitaus besser zu sehen, als das heute der Fall ist. Viele alte Landschaftsbilder und Stiche zeugen davon.
Durch die Verbreitung von Öl zum Heizen der Häuser ist in den letzten Jahrzehnten ist die Mittelwaldnutzung extrem zurückgegangen. In ganz Deutschland und auch in Bayern wird nur noch etwa ein Prozent der Wälder als Mittel- oder Niederwald genutzt.
Auch in Oberfranken ist die Mittelwaldnutzung etwas ganz Besonderes. Im Landkreis Forchheim finden wir ähnliche Nutzungsformen u.a. noch in Leutenbach, Drosendorf und Kauernhofen.
Mittel- und Niederwälder sind sonnendurchflutete Waldtypen, die seltenen licht- und wärmeliebenden Pflanzen und Tieren Lebensraum bieten. Besonders profitieren etwa am Walberla das Stattliche Knabenkraut, eine seltene Orchidee oder die Fränkische Mehlbeere, eine endemische Baumart, die weltweit nur in der Fränkischen Schweiz vorkommt. Mehlbeeren vertragen einen Rückschnitt relativ gut. Deswegen wurden sie durch die früher verbreitete Mittelwaldnutzung stark gefördert. Durch die Umwandlung der meisten Wälder in Hochwälder wurden sie auf Waldränder und Felsköpfe zurückgedrängt.
Wegen ihres naturschutzfachlichen Wertes wird die Nieder- und Mittelwaldnutzung über staatliche Naturschutzmittel im Bayerischen Vertragsnaturschutzprogramm Wald (VNP Wald) gefördert. In Oberfranken wurden im letzten Jahr Verträge über 770 ha Mittelwald abgeschlossen, davon alleine 230 ha auf der Ehrenbürg. Der Landkreis Forchheim nimmt damit im Regierungsbezirk Oberfranken die Spitzenposition bei der Nutzung des Vertragsnaturschutzprogramms Wald ein.
Forchheim, 11.02.2016
Pressestelle
Am Walberla ist inzwischen auch eine Informationstafel angebracht, die eingehend über die Traditionelle Mittelwaldnutzung informiert. Hierbei handelt es sich um eine alte forstliche Nutzungsform, für die die Kirchehrenbacher auch staatliche Fördermittel erhalten. Die Maßnahmenflächen für die Mittelwaldnutzung liegen heuer nicht ganz so exponiert wie im letzten Jahr, wo direkt benachbart zum Hauptweg von Kirchehrenbach auf die Hochfläche des Walberla die Bäume auf Stock gesetzt wurden. auch in diesem Bereich werden allerdings noch einige Bäume entnommen, um das typische, offene Landschaftsbild des Walberla langfristig zu erhalten.
Diese Form der Waldbewirtschaftung im Gemeindewald Kirchehrenbach hat eine alte Tradition. Jedes Jahr wird vom gemeindlichen Waldausschuss zusammen mit der zuständigen Forstrevierleiterin Frau Sommersacher ein Teil des Gemeindewaldes ausgewählt und zur Nutzung freigegeben. Im Vorfeld wird eine bestimmte Anzahl gleich großer Parzellen, die sogenannten Gerten, markiert und nummeriert und dann in der Rechtlerversammlung verlost. Das Recht auf die Holznutzung im Gemeindewald haben nur die Hauseigentümer des alten Kerns von Kirchehrenbach, insgesamt 127 Parteien. Mit einem Hausverkauf geht das Recht auf die neuen Eigentümer über.
Im Gegensatz zum Hochwald werden bei der Mittel- und Niederwaldnutzung die Gehölze nur „auf Stock“ gesetzt. Der Großteil der Bäume, vor allem Linden, Haseln und Hainbuchen verkraften den Rückschnitt ohne weiteres und treiben einfach wieder aus. Über die vielen Jahre der Nutzung können sehr große Baumstöcke – sozusagen Stümpfe, aus denen der Baum immer wieder neu austreibt – entstehen.
Im Mittelwald werden einzelne schön gewachsene Bäume, sogenannte „Lassreitel“ oder Überhälter, stehen gelassen, die später als Bauholz genutzt werden können. Im Niederwald wird der gesamte Bestand auf Stock gesetzt.
Früher war die Nieder- und Mittelwaldnutzung in der gesamten Fränkischen Schweiz weit verbreitet. Da der Wald im Turnus etwa alle 10-30 Jahre – in Kirchehrenbach etwa alle 25 Jahre – wieder auf Stock gesetzt wurde, wuchs er nicht sehr hoch. Die markanten Felsen waren hierdurch weitaus besser zu sehen, als das heute der Fall ist. Viele alte Landschaftsbilder und Stiche zeugen davon.
Durch die Verbreitung von Öl zum Heizen der Häuser ist in den letzten Jahrzehnten ist die Mittelwaldnutzung extrem zurückgegangen. In ganz Deutschland und auch in Bayern wird nur noch etwa ein Prozent der Wälder als Mittel- oder Niederwald genutzt.
Auch in Oberfranken ist die Mittelwaldnutzung etwas ganz Besonderes. Im Landkreis Forchheim finden wir ähnliche Nutzungsformen u.a. noch in Leutenbach, Drosendorf und Kauernhofen.
Mittel- und Niederwälder sind sonnendurchflutete Waldtypen, die seltenen licht- und wärmeliebenden Pflanzen und Tieren Lebensraum bieten. Besonders profitieren etwa am Walberla das Stattliche Knabenkraut, eine seltene Orchidee oder die Fränkische Mehlbeere, eine endemische Baumart, die weltweit nur in der Fränkischen Schweiz vorkommt. Mehlbeeren vertragen einen Rückschnitt relativ gut. Deswegen wurden sie durch die früher verbreitete Mittelwaldnutzung stark gefördert. Durch die Umwandlung der meisten Wälder in Hochwälder wurden sie auf Waldränder und Felsköpfe zurückgedrängt.
Wegen ihres naturschutzfachlichen Wertes wird die Nieder- und Mittelwaldnutzung über staatliche Naturschutzmittel im Bayerischen Vertragsnaturschutzprogramm Wald (VNP Wald) gefördert. In Oberfranken wurden im letzten Jahr Verträge über 770 ha Mittelwald abgeschlossen, davon alleine 230 ha auf der Ehrenbürg. Der Landkreis Forchheim nimmt damit im Regierungsbezirk Oberfranken die Spitzenposition bei der Nutzung des Vertragsnaturschutzprogramms Wald ein.
Forchheim, 11.02.2016
Pressestelle
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